Sagt ein Bild mehr als 1000 Worte?
Ja, denn der Film lebt von der Beweglichkeit der Bildelemente und der Kamera!
Durch die Einstellung, Perspektive und Bewegung der Kamera kann man die Aufmerksamkeit des Zuschauers auf bestimmte Dinge lenken. Denn der Zuschauer sieht nur das, was man ihm zeigen will. Außerdem sieht er nicht, was sich außerhalb des Bildes befindet.
In den Anfängen des Films (1897) war nur eine einzige Einstellung bekannt: die Totale. Ein Film wurde wie ein Theaterstück inszeniert, d.h. die Schauspieler spielten ausschließlich auf der Bühne und wurden von der Kamera von einer festen Position aus in einer festen Einstellungsgröße aufgenommen (aus der Mitte in der Totalen). Man wagte nicht, weniger als das Ganze zu zeigen.
Der Kinobesucher sah die Handlung genau so, wie sie ein Theaterbesucher von einem Parkettplatz aus sehen würde.
Es war David Griffith, der in seinem Film "After many Years "(1908) als erster den Standpunkt der Kamera wechselte und verschiedene Einstellungsgrößen verwendete. Hier ein kurzer Überblick:
Weite
(englisch extreme long shot, ELS)
In der Weite, auch Supertotale, Panorama oder Weitwinkel-Ansicht genannt, ist eine Landschaft der Bildinhalt. Menschen erscheinen darin verschwindend klein. Sie wird zum Beispiel für Establishing Shots eingesetzt, um das Geschehen in seine Umgebung eingebettet zu zeigen. Als psychologischer Akzent kann sie Gefühle wie Einsamkeit, Isolation, Fremdheit und/oder Gefahr, aber auch Freiheit und Unendlichkeit ausdrücken. Diese Einstellung eignet sich auch, um die Tiefe der Landschaft zu verdeutlichen, wenn Personen diese betreten oder Fahrzeuge hineinfahren.
Totale
(englisch long shot, LS, auch wide shot)
Die Einstellung wird verwendet, wenn eine Person oder Gruppe vollständig in ihrer Umgebung, also total zu sehen ist, die Landschaft aber nicht den Hauptbildinhalt ausmacht. Der Mensch erscheint zwar größer als in der Weite, aber immer noch relativ unwichtig. Die Totale wird häufig für Establishing Shots eingesetzt. In Filmen, die überwiegend oder nur aus Totalen bestehen, wirken die Akteure unnahbar. In Dokumentarfilmen sind totale Einstellungen häufiger als in Spielfilmen zu finden. Sie sind dafür da, um einen Überblick über das Geschehen zu geben.
Halbtotale
(englisch medium long shot, MLS, auch figure shot oder complete view)
Die Figuren werden von Kopf bis Fuß gezeigt. Diese Einstellungsgröße lässt sich gut für Menschengruppen einsetzen, oder für körperliche Aktionen, beispielsweise in der Slapstick-Comedy. In der Halbtotalen ist die Körpersprache oft wichtiger als der Dialog.
Amerikanische
(englisch Three Quarter Shot / Medium Full Shot)
Sie zeigt den Menschen vom Knie an aufwärts und verdankt ihren deutschen Namen der häufigen Verwendung bei Duell-Szenen in Western-Filmen. Filmheld, Halfter, Colt und die "ziehende" Hand konnten nur in dieser Einstellung vernünftig ins Bild gesetzt werden. Aber natürlich ist sie nicht nur eine "Cowboy-Einstellungsgröße".
Halbnah
(englisch medium close-up, MCU.)
Die Figur wird vom Kopf bis zur Hüfte gezeigt. Diese Einstellung entspricht der natürlichen Sehsituation und wird deswegen häufig in Dialogszenen verwendet.
Nah
(englisch shoulder close-up.)
Sie ist die am häufigsten für Dialoge oder in Interviews verwendete Größe.Die Figur wird vom Kopf bis zur Mitte des Oberkörpers gezeigt. Diese Einstellungsgröße kommt zum Beispiel in Gesprächsszenen zum Einsatz, wenn es auf die Mimik und Gestik ankommt. Auch sieht der Zuschauer in dieser Einstellung, wohin die Figur schaut, und kann daraus Schlüsse über den Fortgang der Handlung ziehen. In deutschen Filmproduktionen werden traditionell die Begriffe nahe Einer oder Zweier verwendet.Sie wird auch als Talking-Head oder Talking-Head Shot bezeichnet.
Gross
(englisch close-up.)
Sie zeigt den Kopf oberhalb der Schultern und erlaubt eine noch größere Annäherung an die Filmfigur. Irgendwie ein Mittelding zwischen der Nahen und der Großen. Eine früher eher im Videobereich verwendete Größe, heute aber durchaus auch im Spielfilm üblich. Puristen meinen, es sei keine optimale Einstellungsgröße, weil es den Kopf der Protagonisten symbolisch abschneidet, doch zahllose Beispiele aus dem Kino belegen, dass die Größe gut funktionieren kann. Man kann noch intensiver in die Seele der Protagonisten hineinschauen, kann Stimmungswechsel, Gedanken, Angst oder Glück und entscheidende Momente visuell unterstreichen.
Detail
(englisch extreme close-up.)
Es wird nur ein Ausschnitt des Gesamtbildes gezeigt, beispielsweise nur die Augen oder der Mund eines Menschen oder andere wichtige Details der Szene, wie etwa die Worte, die auf einem Computer getippt werden.
Italienische
(englisch Italian shot)
Besondere Art der Detailaufnahme, bei der nur die Augen des Protagonisten gezeigt werden. Ein bekanntes Beispiel ist in Sergio Leones Western C’era una volta il West (Spiel mir das Lied vom Tod) in den Szenen des Duells zwischen Henry Fonda und Charles Bronson zu sehen.
Danke Sergio Leone!